Controlling für Buchhalter

Gehört die Zukunft den Biltrollern?

(Bilanz-)Buchhalter mit Controlling-Wissen sind gefragt. Aber wie lassen sich beide Berufe optimal vereinbaren? Und warum lohnt es sich eigentlich, über den Tellerrand hinaus zu blicken?

Berufsbild Buchhalter: Zahlenfüchse mit Fingerspitzengefühl

Buchhalter sind keine Controller und umgekehrt. Beide Berufe unterscheiden sich in ihren generellen Denk- und Handlungsweisen von Grund auf.

(Bilanz-)Buchhalter leben in ihrer ureigenen, tatsächlichen Zahlenwelt. Sie arbeiten vorrangig vergangenheitsorientiert, mit Fokus auf „ZDF“ – Zahlen, Daten, Fakten. Ihre Datenerfassungen, Auswertungen und Dokumentationen geben einen Gesamtüberblick des unternehmerischen Geschehens. Dieser bezieht sich auf die Vermögens-, Kapital- und Erfolgslage.

Berufsbild Controller: Informationsmanager mit Weitblick

Reine Controller sind – im Gegensatz zu Buchhaltern – zumeist als Angestellte tätig. Sie arbeiten überwiegend zukunftsorientiert, denken in von ihnen aufgestellten Unternehmensplänen und in durchzuführenden Analysen.

Als interne Unternehmensberater setzen sie sich unermüdlich für die Erfüllung der Geschäftsleitungsvorgaben ein. Dabei haben die Informationsmanager das große Ganze im Blick. Zu ihrem Zuständigkeitsbereich gehören auch unternehmensinterne Reportings. Dadurch fungieren sie als primärer Informationsgeber für sämtliche Führungs- und Fachkräfte.

Was Buchhaltung und Controlling verbindet

BuchhalterinIst mit diesen unterschiedlichen Beschreibungen eine strikte Trennung der beiden Tätigkeitsbereiche vorprogrammiert? – Nein! Beide Berufsrichtungen verfügen über Gemeinsamkeiten, die sie miteinander verbinden.

Insbesondere sind sie zahlenseitig aufeinander angewiesen. Schließlich werden die Ist-Werte der Finanzbuchhaltung (und der Betriebsbuchhaltung) als Basiszahlen herangezogen, um daraus Planzahlen für das kommende Jahr und darüber hinaus aufzustellen.

Wichtige Bausteine controllerischen Handelns sind die Bildung und Beurteilung betriebswirtschaftlicher Kennzahlen, welche ohne Zahlenmaterial aus der (Finanz‑)Buchhaltung nicht ermittelbar wären.

Die Buchhaltung kennt wiederum die zahlenmäßig betrieblichen Abläufe und Zusammenhänge sehr genau. Deswegen kann sie dem Controlling erforderliche Daten für Unternehmensanalysen liefern.

Die Mischung macht´s: der Biltroller

Kombinieren wir doch einmal die beiden Begriffe des (Bilanz-)Buchhalters und des Controllers. Heraus kommt der Biltroller – eine Bezeichnung, die nicht unbedingt geläufig ist.

Unter Biltrolling wird die zunehmend verstärkte Verzahnung von Buchhaltung und Controlling verstanden. Die sehr guten Fachkenntnisse der beiden Berufe aus dem externen und internen Rechnungskreis werden so zusammengeführt. Das sind wesentliche Voraussetzungen, um eine wirkungsvolle Harmonisierung innerhalb des Rechnungswesens zu erzielen.

Biltroller: Dank Zusatzleistung zu Mandants Liebling

In der betrieblichen Praxis lässt sich immer stärker erkennen, dass Teilnehmer eines Bilanzbuchhalter-Lehrgangs bereits über den Abschlussgrad eines Controllers verfügen. Umgekehrt wollen Controller häufig den Bilanzbuchhalter-Titel erlangen. Diese Teilnehmer haben die Zeichen der Zeit erkannt.

Denn gerade für selbstständige Buchhalter gilt: ihre Mandanten erwarten verstärkt betriebswirtschaftliche Beratung. Sie wollen einen Überblick über die Entwicklung ihres Unternehmens haben und frühzeitig auf mögliche Problemsituationen reagieren.

Ein Profi-Buchhalter, der sie bei der Unternehmenssteuerung unterstützt, kommt da gerade richtig. Der Büroinhaber mit Controlling-Wissen freut sich seinerseits über eine neue Zusatzleistung, mit der er sich von seinen Kollegen abhebt. Außerdem ist er optimal für die digitale Zukunft gerüstet. Schließlich beschränken sich Biltroller nicht auf deklaratorische Aufgaben, die automatisiert werden können.

Wie kann man ein Biltroller werden?

Für (Bilanz-)Buchhalter empfiehlt sich eine Weiterbildung zum Controller. Diese schließt mit einer IHK-Prüfung ab. Um dazu zugelassen zu werden, müssen bestimmte Voraussetzungen vorliegen.

Unter anderem können Personen mit einer erfolgreichen Abschlussprüfung in einem kaufmännischen Ausbildungsberuf und danach mindestens dreijähriger Berufspraxis zum Examen antreten. Auch Absolventen eines wirtschaftswissenschaftlichen Studiums können sich der Herausforderung stellen.

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Stefan Ludwig ist freier Dozent bei der Steuer-Fachschule Dr. Endriss. Er unterrichtet in Bilanzbuchhalter- und Controller-Lehrgängen und bereitet die Teilnehmer auf die IHK-Prüfung vor. (www.endriss.de)

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