Gehälter in Buchhaltung und Controlling überdurchschnittlich, aber rückläufig

Die Ergebnisse der BVBC-Gehaltsanalyse 2016

Im Rechnungswesen und Controlling lässt sich nach wie vor überdurchschnittlich viel verdienen. Abhängig von ihrer Funktion haben Angestellte heute allerdings mehr oder weniger in der Tasche als noch vor zwei Jahren. Das ergab eine Befragung des Bundesverbands der Bilanzbuchhalter und Controller (BVBC) unter 1.284 Teilnehmern zu Beginn des Jahres.

Laut Statistischem Bundesamt verdienten deutsche Arbeitnehmer im letzten Jahr durchschnittlich 3.612 Euro im Monat (ohne Sonderzahlungen). Aufs Jahr gerechnet macht das 43.344 Euro. Die Gehälter im Bereich Buchhaltung und Controlling liegen mit durchschnittlich 49.505 Euro bzw. 59.689 Euro deutlich höher. Verglichen mit den Ergebnissen der vorangegangenen Gehaltsanalyse des Verbands sind die Gehälter in den letzten zwei Jahren jedoch tendenziell um bis zu sechs Prozent gesunken.

 

BVBC-Gehaltsanalyse 2016: Rückläufige Gehälter in Buchhaltung und Controlling

Funktion und Einkommen

Ob Angestellte im Bereich Buchhaltung 2016 mehr Geld mit nach Hause nehmen, hängt stark von der von ihnen ausgeübten Funktion ab. Die größten Einbußen verzeichnen Beschäftigte, die als Bilanzbuchhalter International tätig sind. Lag ihr Verdienst 2014 noch bei 73.636 Euro im Jahr, sind es nun 60.147 Euro – das entspricht einem Minus von mehr als 18 Prozent.

Allerdings stuften sich in den vorangegangenen beiden BVBC-Gehaltsanalysen jeweils weniger als 40 Teilnehmer als internationale Bilanzbuchhalter ein. Bei einer solchen, vergleichsweise niedrigen Anzahl von Befragten können Durchschnittswerte leichter Schwankungen unterliegen. Der eingangs erwähnte Gehaltsrückgang dürfte also auf Einzelgehälter zurückzuführen sein.

Aber: Auch Bilanzbuchhalter ohne diesen Titel, die zur teilnehmerstärksten Gruppe gehören, verdienen mit 43.114 Euro zwischen vier und fünf Prozent weniger als 2014. Ihr Gehalt liegt mit 15 bis 20 Prozent mehr dennoch deutlich über dem von Sachbearbeitern, Kreditoren- und Debitoren- sowie Finanzbuchhaltern, die sich 2016 über ein Plus auf ihrem Gehaltszettel freuen. Die finanzielle und zeitliche Investition in Weiterbildung macht sich also bezahlt.

Im Gegensatz zur Buchhaltung ist im Controlling ein übergreifender Gehaltsrückgang feststellbar. Den größten Einbruch müssen Junior Controller hinnehmen, deren Gehalt um zehn Prozent von 40.000 auf 35.909 Euro gesunken ist. Senior Controller verdienen mit 65.854 Euro acht Prozent weniger, Leiter Controlling mit 74.634 Euro vier Prozent weniger als 2014. Damit liegen die Durchschnittsgehälter im Controlling trotzdem noch über denen der Buchhaltung. Das mag damit zusammenhängen, dass das Controlling in Unternehmen meist eine Stabsstelle ist, die entsprechend gut dotiert ist. Hinzu kommt, dass Arbeitgeber im Controlling häufiger ein Hochschulstudium voraussetzen.

Männer verdienen bis zu 19 Prozent mehr

Laut Statistischem Bundesamt beträgt die aktuelle Einkommensdifferenz zwischen Frauen und Männern im bundesdeutschen Durchschnitt 21 Prozent. Mit 15 Prozent in der Buchhaltung und 19 Prozent im Controlling fällt die Ungleichbezahlung zwar niedriger, aber dennoch deutlich aus.

Im Bereich Buchhaltung fällt auf, dass deutlich mehr Männer als Frauen in Führungspositionen tätig sind. Beinahe jeder zweite Mann (42 Prozent) stuft sich als Führungskraft ein, bei den Frauen ist es nur jede vierte. Umgekehrt sind 63 Prozent der Angestellten in den unteren Einkommensbereichen (Sachbearbeiter, Steuerfachangestellte, Kreditoren-/Debitorenbuchhalter, Lohn- und Gehalts- sowie Finanzbuchhalter) weiblich. Das Erstaunliche: 35 Prozent der Befragten aus diesen Funktionsbereichen verfügen über einen hochqualifizierten Abschluss als Bilanzbuchhalter, nutzen ihn jedoch nicht, um sich auf eine höher dotierte Stelle zu bewerben.

Im Controlling ist das Verhältnis auf den ersten Blick relativ ausgeglichen: 30 Prozent der Controller und 27 Prozent der Controllerinnen sind in leitender Funktion tätig. Allerdings sind insgesamt deutlich weniger Frauen als Männer in diesem Bereich beschäftigt, wie die BVBC-Gehaltsanalyse zeigt. Auf 74 männliche kommen 26 weibliche Angestellte.

Einkommen in Buchhaltung und Controlling nach Bundesland

Welche Branchen am besten zahlen

Nicht nur die Berufswahl entscheidet darüber, wieviel Arbeitnehmer im Schnitt verdienen können. Je nach Branche können Gehälter bei gleicher Qualifikation stark unterschiedlich ausfallen. So verdienen Angestellte der Buchhaltung in der Konsum- und Investitionsgüterbranche mit 66.250 Euro Jahresgehalt mehr als das Doppelte ihrer Kollegen, die bei Steuerberatern, Wirtschaftsprüfern oder Unternehmensberatungen beschäftigt sind (32.341 Euro). Auch die Lebensmittelindustrie (65.729 Euro) oder die Medien- und Unterhaltungsbranche (60.000 Euro) zahlen hohe Gehälter.

Im Controlling lässt sich ebenfalls in der Konsum- und Investitionsgüterbranche das meiste Geld verdienen. Angestellte Controller werden im Schnitt mit 80.000 Euro pro Jahr entlohnt. Weitere gut zahlende Branchen sind die Telekommunikation (75.000 Euro), Versorger (71.842 Euro) sowie Banken und Versicherungen (70.833 Euro). Am wenigsten verdienen Controller im öffentlichen Dienst und in Verbänden – hier erhalten sie mit 31.667 Euro nicht einmal halb so viel wie in den erstgenannten vier Branchen.

Durchschnittliches Jahreseinkommen nach Branche

Frühe Entscheidung: Generalist oder Spezialist?

Wer sich frühzeitig Gedanken macht, wo er einmal stehen möchte, kann seine Karriere aktiv in die richtige Richtung lenken. Arbeitnehmer sollten sich bewusst machen, wo sie sich wohl fühlen und wo ihre Prioritäten liegen. Wer lieber in kleineren, überschaubaren Unternehmen arbeitet und ein relativ großes Aufgabengebiet bearbeiten möchte, ist vermutlich eher der Generalist und sollte sich breit aufstellen. Wer sich jedoch auch vorstellen kann, seine Fähigkeiten in einem Konzern mit engerem Tätigkeitsbereich einzubringen, ist vielleicht eher der Spezialist.

In jedem Fall gilt: Schärfen Sie Ihr Profil, indem Sie sich beizeiten eine Strategie zur Karriereplanung zurechtlegen. Bauen Sie sich gefragtes Spezial- oder Nischenwissen auf oder bilden Sie sich breitgefächert weiter und seien Sie als Biltroller an der Nahtstelle zwischen in- und externem Rechnungswesen tätig.

Lesen Sie hierzu auch: Gehaltsrückgang trotz positiver Wirtschaftslage?

 

Wollen Sie weitere Statistiken zu aktuellen Arbeitsbedingungen im Rechnungswesen und Controlling? Dann fordern Sie die BVBC-Gehaltsanalyse 2016 an.

Kenan Häberle Pressereferent BVBC

Kenan Häberle ist studierter Sprachwissenschaftler und Pressereferent des BVBC, dem Bundesverband der Bilanzbuchhalter und Controller. (www.bvbc.de)

bpo 2015:Markt&Branche

Dieser Artikel gehört zu den Themen:

Markt&Branche
Anzeige

Weniger ist mehr? Nicht bei uns.

Mit Ihrem persönlichen Login haben Sie automatisch Zugriff auf:

Arbeitshilfen & Checklisten
Studien & Whitepaper
praktische Tools

Jetzt gratis registrieren