Reverse-Charge-Verfahren in der EU bei sonstigen Leistungen

Reverse-Charge-Verfahren bei grenzüberschreitenden innergemeinschaftlichen B2B-Grundregeldienstleistungen

Seit 01.01.2010 werden sonstige Leistungen mit wenigen Ausnahmen zwischen zwei Unternehmern am Sitz/Betriebstätte des Leistungsempfängers erbracht (B2B-Grundregel). Hier ist europaweit einheitlich geregelt, dass die Steuerschuld auf den Leistungsempfänger übergeht.

Für die Rechnungsstellung bedeutet dies nach deutschem Recht die Angabe des Nettobetrages ohne Umsatzsteuer, der Umsatzsteuer-Identifikationsnummern der Beteiligten sowie eines Hinweises auf das Reverse-Charge-Verfahren. Anzuwenden ist nach derzeitiger gesetzlicher Lage dabei immer das Steuerrecht des Landes, in dem sich der umsatzsteuerlicher Ort der sonstigen Leistung befindet.

Der leistende Unternehmer hat diese innergemeinschaftlichen Dienstleistungen in seiner Zusammenfassenden Meldung zu erfassen.

Gebucht werden diese innergemeinschaftlichen Grundregeldienstleistungen vom Leistenden Unternehmer auf das Konto "Erlöse aus im anderen EU-Land steuerpflichtigen sonstigen Leistungen, für die der Leistungsempfänger die Umsatzsteuer schuldet" (SKR 03/04: 8336/4336). Vom beziehenden Leistungsempfänger je nach Vorsteuerberechtigung z.B. auf das Konto "Sonstige Leistungen eines im anderen EU-Land ansässigen Unternehmers 19% Vorsteuer und 19% Umsatzsteuer" (SKR 03/04: 3123/5923).

Reverse-Charge-Verfahren bei grenzüberschreitenden innergemeinschaftlichen B2B-Ausnahmedienstleistungen

In einigen Fällen bestimmte sich der Ort einer sonstigen Leistung auch zwischen zwei Unternehmern nicht nach der eben besprochenen Grundregel, sondern nach Ausnahmeortsbestimmungen. Zu nennen wären hier beispielsweise: Grundstücksleistungen (Grunstücksort), Einräumung von Eintrittsberechtigungen zu bestimmten kulturellen, künstlerischen etc. Veranstaltungen (Veranstaltungsort), Personenbeförderungen (Streckenprinzip) usw..

In diesen Fällen ist europaweit nicht einheitlich die Anwendung des Reverse-Charge-Verfahrens geregelt, sondern es muss im Einzelfall nach dem Umsatzsteuerrecht des Landes des umsatzsteuerlichen Erbringungsortes geprüft werden, ob dieses zur Anwendung kommt oder nicht. Für diese grenzüberschreitenden innergemeinschaftlichen Dienstleistungen bietet die IHK-Köln jedes Jahr eine praktische Länderübersicht als ersten Anhaltspunkt. Die Länderliste ab 01.01.2011 zu den Regelungen zur Steuerschuldumkehr in Europa finden Sie im Internet hier. Auskünfte erteilen auch die Außenhandelskammern.

Auch bei diesen Dienstleistungen muss nach deutschem Recht eine Rechnung über den Nettobetrag ohne Umsatzsteuer erteilt und auf das Reverse-Charge-Verfahren hingewiesen werden. Für die Rechnungsstellung ist auch hier nach derzeitiger gesetzlicher Lage jeweils das Steuerrecht des Landes, in dem sich der umsatzsteuerlicher Ort der Dienstleistung befindet maßgebend. Die Angabe der USt-Identifikationsnummern der Beteiligten sowie die Erfassung in der Zusammenfassenden Meldung des Leistenden sind nicht vorgesehen.

Gebucht wird ebenfalls auf gesonderte Konten. Für den Leistenden das Konto "Erlöse aus im anderen EU-Land steuerbaren Leistungen, im Inland nicht steuerbare Umsätze" (SKR 03/04: 8339/4339) und für den Leistungsempfänger je nach Vorsteuerberechtigung z.B. das Konto "Leistungen eines im Ausland ansässigen Unternehmers 19% Vorsteuer und 19% Umsatzsteuer" (SKR 03/04: 3125/5925).

Ausblick

Durch das Jahressteuergesetz 2013 sind insbesondere zur Rechnungsstellung Änderungen geplant. Führt dann ein ausländischer Unternehmer einen Umsatz im Inland aus, bei dem es zu einem Wechsel der Steuerschuld auf den Leistungsempfänger kommt, sind die Rechnungsvorschriften seines Herkunftslandes maßgebend. Die soll nicht bei Gutschriften gelten.

Die allgemeinen Regelungen der EU zur Rechnungslegung mit einer praktischen tabellarischen Übersicht, bei welchen Sachverhalten die Rechnungslegungsvorschriften welches Landes anzuwenden sind (auch bezogen auf das Drittland) finden Sie in einem Merkblatt "Erläuterungen der Mehrwertsteuervorschriften für die Rechnungsstellung" der europäischen Kommission hier.

Verpflichtend soll nach nach dem Jahressteuergesetz 2013 der Hinweis auf das Reverse-Charge-Verfahren durch Anbringung des Hinweises im Wortlaut "Steuerschuldnerschaft des Leistungsempfängers" werden. Nicht vergessen darf die neue geplante Verpflichtung zur Rechnungsstellung bei inngemeinschaftlichen B2B-Grundregeldienstleistungen bis zum fünfzehnten Tag des Monats, der auf den Monat folgt, in dem der Umsatz ausgeführt worden ist und nicht mehr innerhalb von sechs Monaten.

Hinweis: Dieser Artikel ist vom 17.10.2012. Bitte achten Sie darauf, dass Informationen zu der genannten Thematik bereits überholt sein könnten.

Charlotte Ries - Dipl. Finanzwirtin (FH) - Steuerberaterin
bpo 2015:Steuerrecht

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Steuerrecht
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