Stolpersteine bei der Existenzgründung

Worauf Sie beim Gang in die Selbstständigkeit achten sollten

Fast jeder Buchhalter denkt irgendwann im Laufe seines Lebens über die berufliche Unabhängigkeit nach. Wer sich dazu entschließt, betreibt einen hohen persönlichen Aufwand und muss sich mit umfangreichen organisatorischen Fragestellungen auseinandersetzen. Damit dieser Aufwand belohnt und die ersten Schritte der Selbstständigkeit ein Erfolg werden, zeigen wir Ihnen die größten Fehler, die es zu vermeiden gilt.

Die eigene Person falsch eingeschätzt

Selbstständige Buchhalterin mit LaptopDer Gang in die berufliche Eigenständigkeit ist kein Spaziergang. Gerade die Anfangszeit ist voraussichtlich von Stress und überlangen Arbeitstagen geprägt. Bis Sie Ihr Buchhaltungsbüro in das ruhige Fahrwasser der Rentabilität gelenkt haben, kann Zeit vergehen. Hier brauchen Sie eine gewisse Nervenstärke und Stressresistenz. Denn im eigenen Büro sind Sie der Boss. Sie sollten daher Spaß an Führungsaufgaben haben, selbst wenn Sie Ihr einziger Angestellter sind.

Gehen Sie also mit sich ins Gericht, ob Sie die charakterliche Festigkeit mitbringen. Kommen Sie zu einem positiven Ergebnis, ist dies bereits ein großer Schritt Richtung Erfolg.

Umfeld und Familie werden nicht in die Planung eingebunden

Der Entschluss zur Selbstständigkeit betrifft nicht nur Sie, sondern auch Ihr soziales Umfeld. Ganz besonders Partner und Kinder werden die Auswirkungen der Existenzgründung spüren, wenn Ihr Büro Sie wieder einmal am Abend oder am Wochenende benötigt. Wer den Konflikt zwischen Geschäftlichem und Privatem nicht von vornherein bereinigt, riskiert fahrlässig Brüche in seinen sozialen Beziehungen.

Klären Sie Freunde und Familie deshalb frühzeitig über Ihr Vorhaben auf und holen Sie die Zustimmung Ihres Partners ein. Ein stabiler, familiärer Rückhalt erhöht Ihre Erfolgsaussichten erheblich. Es liegt hierbei in Ihrem Aufgabenbereich, ein gesundes Maß zwischen Arbeit und Privatleben zu finden.

Kein fundierter Geschäfts- und Finanzplan

Hier sind Fehler besonders ärgerlich, da sie so schwerwiegend wie vermeidbar sind. Ein gut strukturierter und hinreichend ausgearbeiteter Businessplan hilft Ihnen nicht nur Kredite bei der Bank zu bekommen, sondern dient vor allem als Blaupause für Ihr zukünftiges Buchhaltungsbüro.

Als eigener Chef viel Geld verdienen, dieser Traum euphorisiert Existenzgründer. Häufig gehen Schnitzer bei der Erstellung der Business- und Finanzplanung deshalb auf zu optimistische Einschätzungen zurück. Der Geschäftsplan wird dann anhand der Idealentwicklung des zukünftigen Unternehmens ausgerichtet. So werden Kosten zu niedrig und Einnahmen zu hoch eingeschätzt.

Die Erstellung Ihres Businessplans kostet Zeit, doch die ist gut investiert. Führen Sie eine Markt- und Wettbewerbsanalyse durch – d.h. wie viele potentielle Kunden bzw. Konkurrenten sind vorhanden. Planen Sie zudem die nähere Zukunft. In welche Richtung soll sich Ihr Buchhaltungsbüro entwickeln? Haben Sie vor sich zu spezialisieren? Eine klar erkennbare Strategie überzeugt Banken, Ihnen die benötigten Kredite zu gewähren.

Bei finanziellen Fragen sollten Sie konservativ planen. Legen Sie die Ausgaben lieber zu hoch an. Gleiches gilt für Kredite. Entwickelt sich Ihr Buchhaltungsbüro doch rascher als erwartet, umso besser. Dann können Sie die Kredite schneller bedienen.

Fehlende Vorsorge für den Not- und Krankheitsfall

Rund die Hälfte aller selbstständigen Buchhalter besitzt keine Mitarbeiter. Als Existenzgründer werden Sie sehr wahrscheinlich auch dazu zählen. Schlussfolgernd bedeutet dies: Fallen Sie krankheitsbedingt aus, steht Ihr Buchhaltungsbüro still. Für die Dauer von ein bis zwei Tagen mag das in Ordnung gehen, doch schon bei einem Zeitraum von einer Woche kann es zu Problemen kommen.

Sichern Sie sich gegen den Notfall ab, indem Sie mit einem Berufskollegen, dem Sie vertrauen, eine Vertretungsvereinbarung abschließen. Dieser sollte im Notfall problemlos an die benötigten Akten und entsprechende Instruktionen kommen.

Unzureichender Versicherungsschutz

Es kann immer passieren, dass ein Mandant seine Liquidität verliert und seine Rechnungen bei Ihnen nicht begleicht. Gerade in der Anfangszeit, wenn sich der Umsatz Ihres Buchhaltungsbüros noch auf wenige Mandanten stützt, kann so ein Ausfall die eigene Liquidität gefährden. Gegen dieses und weitere Probleme sollten Sie sich absichern. Wenden Sie sich an den Versicherungsvertreter Ihres Vertrauens oder nehmen Sie die Beratungsangebote des BVBC zur Hilfe, um sich passend aufzustellen.

Unter Wert verkaufen

Die Buchhalterstudie hat gezeigt, dass nur knapp ein Drittel aller selbstständigen Buchhalter vertraglich genau regelt, welche Tätigkeiten in der Bezahlung inbegriffen sind und welche nicht. Fast drei Viertel sind zudem der Meinung, kein höheres Honorar für bestimmte Dienstleistungen durchsetzen zu können.

Als Buchhalter sind Sie ein ausgebildeter Profi auf Ihrem Gebiet. Entsprechend sollten Sie sich bezahlen lassen. Machen Sie Ihren Mandanten von Anfang an klar, welche Dienste Sie anbieten und dass die Leistungen dem geforderten Preis gerecht werden. Damit Klarheit herrscht, legen Sie alles vertraglich fest. Die Mehrheit der Mandanten wird diese Offenheit zu schätzen wissen. Mandanten, die Sie von zu niedrigen Honorarvorstellungen nicht abbringen, sollten Sie ziehen lassen und die freie Zeit zur Akquise neuer Mandanten nutzen.

Die falsche Software im Büro

Der Markt für Buchhaltungssoftware ist groß und das Angebot vielfältig. Hier können Sie schnell den Überblick verlieren und so manches Schnäppchen stellt sich im Nachhinein als teurer Fehlkauf heraus, da nicht alle benötigten Funktionen vorhanden sind und ein zweites Produkt erstanden werden muss.

Machen Sie sich deshalb eine Liste mit Funktionen, die Ihr Buchhaltungsprogramm auf jeden Fall besitzen sollte und denken Sie die Zukunft mit. Es wäre ärgerlich, wenn Ihr Büro nicht sein volles Potential ausschöpfen kann, weil Ihre Software mit der wachsenden Mandantenzahl nicht mithält.

Fazit

Der Gang in die Selbstständigkeit ist kein Hexenwerk. Dennoch gibt es einiges zu beachten, um den Weg erfolgreich zu bestreiten. Nehmen Sie sich genügend Zeit für die Vorbereitung und erstellen Sie einen Plan, in dem Sie die Gründung Punkt für Punkt durchgehen. Zusätzlich sollten Sie sich von Anfang an auf belastungsintensive Phasen und eventuelle, kleinere Rückschläge einstellen und sich davon nicht unterkriegen lassen. Dann steht einer erfolgreichen Existenzgründung nichts mehr im Wege.

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Sonja Schumergruber, Redakteurin Buchhalterseite.de

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