Langfristig kann dies ein Risiko für Rentabilität Ihres Geschäfts darstellen. Denn Ihre Honorare sichern nicht nur Ihre wirtschaftliche Stabilität – sie spiegeln auch den Wert Ihrer Arbeit wider. Sie übernehmen Verantwortung, schaffen Ordnung, reduzieren Risiken und geben Ihren Mandanten Sicherheit. Dafür dürfen – und sollten – Sie angemessene Preise verlangen.
Die gute Nachricht: Eine klare und durchdachte Honorargestaltung ist gut machbar – sie basiert nicht auf Zufall, sondern auf strukturierten und bewussten Entscheidungen, die Sie Schritt für Schritt umsetzen können.
Bevor Sie in ein Preisgespräch gehen, lohnt sich ein kurzer Perspektivwechsel: Preisunsicherheit entsteht selten im Gespräch selbst, sondern davor – wenn die eigene Kalkulation nicht klar ist oder die Argumentation nicht vorbereitet wurde. Je sicherer Sie innerlich sind, desto souveräner treten Sie nach außen auf.
Beantworten Sie für sich schriftlich:
Warum ist mein Honorar in dieser Höhe gerechtfertigt?
Welchen konkreten Nutzen hat der Mandant? Beispielsweise:
Diese Klarheit wirkt wie ein innerer Leitfaden: Sie behalten im Gespräch die Struktur, reagieren gelassener auf Einwände und lenken das Gespräch bewusst – statt sich in Rechtfertigungen wiederzufinden.
Preisgespräche strukturieren statt reagieren
Eine klare Struktur gibt Ihnen Sicherheit – und reduziert emotionale Diskussionen.
Wichtig: Sie erklären – Sie verteidigen nicht.
„Wenn wir den Leistungsumfang anpassen möchten, können wir das gern besprechen. Die Honoraranpassung bezieht sich auf den aktuellen Umfang.“
Klarheit reduziert Diskussionen. Wer ruhig und strukturiert argumentiert, signalisiert Professionalität – nicht Härte.
Ob Ihre Pauschalen wirtschaftlich tragfähig sind, entscheidet sich nicht im Bauchgefühl, sondern in Ihrer Kalkulation. Ausgangspunkt ist ein realistischer Zielumsatz, der nicht nur laufende Kosten abdeckt, sondern auch private Lebenshaltung, Rücklagen, Krankenversicherung, Altersvorsorge, Investitionen und einen angemessenen Unternehmergewinn berücksichtigt. Je genauer Sie Ihren Zielumsatz ansetzen, desto stabiler und entspannter können Sie wirtschaftlich arbeiten.
Ebenso wichtig ist eine ehrliche Einschätzung Ihrer produktiven Stunden. 40 Arbeitsstunden pro Woche bedeuten nicht 40 abrechenbare Stunden. Ein erheblicher Teil entfällt auf Organisation, Akquise, Weiterbildung und Administration. Wenn Sie hier zu optimistisch rechnen, drücken Sie Ihren eigenen Stundensatz.
Aus Zielumsatz und realistischen produktiven Jahresstunden ergibt sich Ihr Mindeststundensatz. Dieser Wert ist Ihre betriebswirtschaftliche Untergrenze. Darunter arbeiten Sie langfristig gegen Ihre eigene Stabilität.
Auf dieser Basis entwickeln Sie Ihre Pauschalen datenbasiert: Analysieren Sie den durchschnittlichen Aufwand pro Mandant der letzten Monate, multiplizieren Sie ihn mit Ihrem Mindeststundensatz und kalkulieren Sie einen Sicherheitszuschlag ein. Ergänzend definieren Sie klare Leistungsgrenzen – etwa bei Beleg- oder Mitarbeiteranzahl – und halten fest, was als Zusatzleistung gilt. Mit einer soliden Kalkulationsgrundlage werden Pauschalen so zu einem verlässlichen und sicheren Modell.
Oft liegt ungenutztes Potenzial nicht im Grundhonorar, sondern in nicht abgerechneten Zusatzleistungen. „Das mache ich schnell noch mit“ summiert sich über Monate erheblich.
Hilfreich ist ein klar formulierter Leistungskatalog, der transparent festhält, welche Leistungen in der Pauschale enthalten sind und welche nicht. Alles, was darüber hinausgeht – etwa Sonderauswertungen, umfangreiche Beratung oder die Begleitung von Prüfungen – sollte als Zusatzleistung definiert sein.
Entscheidend ist der Zeitpunkt der Kommunikation. Sprechen Sie zusätzlichen Aufwand sofort an, nicht erst bei der Rechnung. Ein sachlicher Hinweis wie „Das ist nicht im vereinbarten Leistungsumfang enthalten. Ich übernehme das gern, wir rechnen es separat ab“ schafft Klarheit, bevor sich falsche Erwartungen verfestigen.
Statt auf „den richtigen Moment“ zu warten, ist es sinnvoll, Preisanpassungen zur Routine zu machen. Ein fester Termin im Jahr – beispielsweise zum Jahresbeginn oder zum Vertragsjahrestag – schafft Verlässlichkeit. Kleine, regelmäßige Anpassungen sind in der Regel leichter durchsetzbar als große Sprünge nach mehreren Jahren Stillstand.
Ein zusätzlicher Gradmesser sind Ihre Neukundenpreise. Wenn neue Mandate deutlich höhere Honorare akzeptieren als langjährige Bestandsmandate zahlen, zeigt das, dass hier Entwicklungspotenzial liegt.
Viele selbstständige Buchhalter und Lohnabrechner arbeiten allein und tragen die wirtschaftliche Verantwortung vollständig selbst. Das bedeutet auch: Sie haben die Möglichkeit, Ihr Honorar aktiv zu gestalten.
Eine nachhaltige Honorargestaltung ist keine unüberwindbare Hürde, sondern ein klar strukturierbarer Prozess. Wenn Sie Ihre Kalkulation kennen, Leistungen sauber definieren und Anpassungen planbar machen, entsteht Schritt für Schritt wirtschaftliche Sicherheit.
Sie leisten wertvolle und verantwortungsvolle Arbeit. Dafür dürfen Sie angemessene Preise verlangen. Beginnen Sie mit einem konkreten nächsten Schritt – Ihrer Kalkulation, Ihrem Leistungskatalog oder Ihrer nächsten Preisanpassung. Das Thema ist machbar. Und Sie können es umsetzen.
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Philipp Katzschmann,
Redakteur Buchhalterseite.de
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